Bericht
Die EU-Verordnung REACH befasst sich vorwiegend mit industriellen Chemikalien (Stoffen) und Gemischen. Die Bestimmungen in REACH, die körperliche Produkte ("Erzeugnisse" im Sinne von Art. 3 Nr. 3 REACH) betreffen, könnten daher wie ein Fremdkörper erscheinen. Eine solche Wahrnehmung stünde jedoch in krassem Gegensatz zu den Herausforderungen, die in diesem Bereich zu bewältigen sind. Denn die meisten Chemikalien werden hergestellt, um daraus Produkte zu fertigen. So finden sich Stoffe, die in Erzeugnissen eingebettet sind, im Nabelschnurblut von Säuglingen und im Fettgewebe von Menschen und Tieren rund um den Globus.
Vor diesem Hintergrund analysiert die Studie die in REACH festgelegten Anforderungen an Erzeugnisse. Die Messlatte für die Bewertung ergibt sich aus den normativen Zielen der REACH-Verordnung selbst: Ihr Zweck ist es, "ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten" und gleichzeitig "Wettbewerbsfähigkeit und Innovation zu stärken" (Art. 1 Abs. 1 REACH). Da Erzeugnisse in der Regel einem "End-of-Life"-Schicksal ausgesetzt sind, bietet die Circular-Economy-Perspektive weitere normative Orientierung.
Die Studie diskutiert die Definition des Begriffs Erzeugnis, gefolgt von den Kommunikationspflichten und den Bestimmungen zur Registrierung und Anmeldung von Stoffen in Erzeugnissen. Sie behandelt auch die Zulassungs- und Beschränkungsregelungen. Jeder Abschnitt bewertet den jeweiligen rechtlichen Rahmen (Ziele, Mechanismus, Unsicherheiten) sowie den Stand der Umsetzung und entwickelt auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse mögliche Verbesserungen („Policy Options“).
Der Bericht dokumentiert die Ergebnisse eines von 18 Teilpaketen des vom Umweltbundesamt (UBA) durchgeführten Projekts "Advancing REACH" (FKZ 3717 67 410 0).

Zeitschriftenbeitrag
Die EU-Chemikalienverordnung REACH hat zum Ziel, die Verwendung von besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC) durch Unternehmen zu reduzieren. Deshalb soll ein Auskunftsrecht der Verbraucher („Right to know“) über SVHCs in Erzeugnissen marktwirtschaftliche Anreize schaffen. Das Bewusstsein der EU-Bürger für das Right to know ist jedoch gering. Zudem behindert das den Lieferanten eingeräumte Antwortfenster von 45 Tagen sofortige, informierte Entscheidungen der Verbraucher. Obwohl seit mehr als 10 Jahren in Kraft nutzen folglich nur wenige Verbraucher ihr Auskunftsrecht. Akteure der Zivilgesellschaft haben Smartphone-Anwendungen („Apps“) entwickelt, die die Kosten für die Informationssuche senken und es den Nutzern ermöglichen, Right to know-Anfragen zu senden, nachdem sie den Barcode eines Erzeugisses gescannt haben. Die Antworten werden in einer Datenbank gespeichert und der Öffentlichkeit sofort zur Verfügung gestellt.
Dieser Beitrag untersucht anhand einer Fallstudie zur Anwendung "ToxFox" des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), inwieweit Smartphone-Tools zu einer verstärkten Nutzung des „Right to knows“ beitragen. Eine Analyse der Daten aus der BUND-Datenbank für den Zeitraum 2016 bis 2018 zeigt, dass rund 20.000 Nutzer fast 49.000 Anfragen gestellt haben. Die Daten zeigen, dass Verbraucher die App vermehrt nutzen, wenn sie wie auf ihre Anfragen Antworten erhalten haben. Viele Lieferanten akzeptieren die Anwendung und stellen proaktiv Informationen über Artikel ohne SVHCs über dem Schwellenwert zur Verfügung. Die meisten Verbraucher verwenden die Anwendung jedoch nur für kurze Zeit, und die Lieferanten haben Schwierigkeiten, auf Anfragen zu antworten. Der Beitrag schließt daher mit Optionen zur Behebung von Mängeln des Status quo. Die Ergebnisse fließen unter anderem ein in EU-LIFE Projekt „AskREACH“, das eine EU-weit anwendbare „Right to know“-App entwickelt. Zum Artikel (open access), zum sofia-Projekt AskREACH.

Die adaptierte Masterthesis vergleicht die Anforderungen an ein wirksames Compliance-Management bezüglich der europäischen Chemikalienverordnungen REACH und CLP mit den tatsächlichen Maßnahmen der Automobilindustire. Mithilfe dieser Analyse, welche sich unter anderem auf Experteninterviews mit automobilen Akteuren stützt, zeigt der Autor Simon Winkler-Portmann eine Reihe von Schwachpunkten auf. Eines dieser Compliancerisiken stellt die Übermittlung von Materialinformationen in der Lieferkette dar. Hierfür betreibt die Automobilindustrie mit dem IMDS ein globales Datenbanksystem, welches äußerst mächtig ist, jedoch Lücken in den Rahmenbedingungen aufweist. Zudem identifiziert eine Analyse stichprobenhafter Anfragen an Automobilhersteller eine Incompliance mit Art. 33 REACH. Die Studie beschränkt sich jedoch nicht auf Herausforderungen, sondern empfiehlt auch Lösungsansätze und bietet eine strukturierte Darstellung der Compliance-Anforderungen in Form von Tabellen und Flussdiagrammen, welche Akteure zur Eigenprüfung nutzen können.
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Studie
Dieser Frage widmet sich die Machbarkeitsstudie für die Europäische Kommission. Ausgehend von zwölf Fallbeispielen für unterschiedlichste Produktgruppen zeigt sie auf, welche Kreislaufwirtschafts-Potentiale sich durch bessere Materialinformationen zukünftig erschließen ließen und welche Verbesserungen dazu in Informationsumfang und –übermittlung nötig sind. Bei Möbeln und PKW-Teilen, den beiden von sofia bearbeiteten Fallstudien, lassen sich jeweils mehrere Ansatzpunkte identifizieren, wie verbesserte Informationen eine Wiederverwendung (bzw. die Vorbereitung selbiger) ermöglicht.
Dafür müssen die Abfallbetriebe wissen, welche problematischen Stoffen (Substances of Concern, SoC)  die Produkte enthalten, um ihre Berichtspflichten (z.B. Art. 33 REACH) zu erfüllen und Stoffbeschränkungen (z.B. Art. 67 i.V.m. Annex XVII REACH) zu beachten. Durch die komplexe Erzeugnisstruktur der Produkte benötigt man dazu Datenbanken, in denen alle Lieferkettenakteure Materialinformationen zu ihren Produkten bereitstellen und die mittels einer eindeutigen Produktidentifizierung eine rasche Zuordnung im Sortierprozess ermöglichen. Neben der im Aufbau befindlichen SCiP-Datenbank der ECHA existieren bereits derartige branchenspezifische Lösungen, z.B. das IMDS der Automobilindustrie. Da sich die stoffbezogenen Pflichten zwischen der Herstellung des Produktes und seiner Wiederverwendung verändern, sind die Datenbankeinträge über die gesamte Lieferkette fortlaufend an rechtliche Pflichten anzupassen. Dieser Aufwand lässt sich vermeiden, wenn die Lieferkettenakteure die Stoffinhalte ihrer Produkte vollständig in die Datenbank einspielen (Full Material Declaration - FMD). Dann kann das Datenbanksystem die Einträge selbstständig auf neue SoC prüfen. Dies senkt die Transaktionskosten für die Betriebe der Abfallwirtschaft und sichert eine hohe Qualität der zurückgeführten Bauteile und Materialien. Die beiden Fallstudien veranschaulichen, wie Informationen über in Produkten enthaltene SoC dazu beitragen können, im Sinne einer Circular Economy Geschäftsmodelle zur Wiederverwendung und zum Recycling wirtschaftlich attraktiv zu machen.
An der Studie, federführend von Ökopol GmbH verantwortetet, war neben dem sofia-Team auch RPA Ltd. als Kooperationspartner beteiligt.
Zur vollständigen Studie inkl. Anhängen: www.doi.org/10.2873/873130 

Studie
Vor 20 Jahren legten Paul Anastas und John Warner ein Konzept der "Green Chemistry" vor, das auf eine ambitionierte Agenda für "grüne" chemische Produkte und Prozesse abzielt. Die aktuelle Situation zu bewerten und Möglichkeiten aufzuzeigen, "Green Chemistry" weiter in den regulatorischen Rahmen der EU-Chemikalienpolitik zu integrieren, ist das Ziel dieser vom österreichischen Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus im Rahmen des zweiten "REACH-Reviews" der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Studie.
"Grüne Chemie" steht für eine Reihe von Prinzipien, die die Verwendung oder Erzeugung problematischer Stoffe bei der Entwicklung, Herstellung und Anwendung chemischer Produkte reduzieren oder vermeiden. In einem umfassenderen Marktkontext kann sich das Konzept jedoch nur durchsetzen, wenn die relevanten Akteure damit konkrete Geschäftsmodelle verknüpfen können. Daher analysiert die Studie den Produktkontext, in dem die Chemie eingesetzt werden soll, sowie den gesamten Lebenszyklus der Substanz. Außerdem betont sie, dass Green Chemistry Lernprozesse der Akteure entlang des Lebenszyklus erfordert. 
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